DURST

Die Elenden und Armen suchen Wasser, doch es ist keines da;
ihre Zunge vertrocknet vor Durst.
Ich, der Herr, will sie erhören,
ich, der Gott Israels, verlasse sie nicht.
Auf kahlen Hügeln lasse ich Ströme hervorbrechen
und Quellen inmitten der Täler.
Ich mache die Wüste zum Teich
und das ausgetrocknete Land zur Oase.
In der Wüste pflanze ich Zedern, Akazien, Ölbäume und Myrten.
In der Steppe setze ich Zypressen, Platanen und auch Eschen.
Dann werden alle sehen und erkennen, begreifen und verstehen,
dass die Hand des Herrn das alles gemacht hat,
dass der Heilige Israels es erschaffen hat.

Jesaja Kapitel 41, 17 - 20

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Psalm 63:

Gott, du mein Gott, dich suche ich,
meine Seele dürstet nach dir.
Nach dir schmachtet mein Leib
wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser.
Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum,
um deine Macht und Herrlichkeit zu sehen.

(Verse 1 - 3)

Psalm 43:

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser,
so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.
Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott.
Wann darf ich kommen und Gottes Antlitz schauen?

(Verse 1 - 3)

Gebet:

Den Menschen
liebtest du mehr als andere Geschöpfe.
Liebe brachte dich vom Himmel
und machte dich
den Gesetzen deiner Geschöpfe untertan.
Liebe allein konnte dich,
den Erhabenen,
bezwingen
und dich klein machen.
Du starbst aus unendlicher Liebe zu den Sündern.
Und jetzt, da du zur Höhe aufgestiegen,
hält dich die Liebe noch immer
unter gewöhnlicher, unauffälliger Erscheinung
in der Enge
des sakramentalen Zeichens

John Henry Kardinal Newman

Der Durst des Menschen und der Hunger des Menschen.
zwei immer wiederkehrende Mangelerscheinungen unseres Leibes.

Israel hatte erlebt, ganz extrem in der Wüste, was Hunger und Durst waren.
Wie sie lebensbedrohlich werden können,
ja unsere Existenz in Frage stellen, wenn sie länger andauern.

Nie kreist unser Denken und Sehnen so ausschließlich um Trank und um Nahrung,
je länger wir darben, dürsten und hungern.

Die Psalmen fassen unser Gefühl in Worte, wenn sie sagen:
wir dürsten und hungern nach dem lebendigen Gott.
Wir dürsten und hungern nach Liebe, nach Gerechtigkeit, nach Ansehen, nach Gemeinschaft,
nach Rettung, nach ewigem Heil.

Das allerdings wird uns kein Brunnenwasser und kein Weizenbrot stillen.
Ja, selbst die Eucharistie,
die Trank für die Dürstenden
und Brot für die Hungernden ist,
die Gemeinschaft stiftet beim geteilten Brot und Wein,
selbst die Eucharistie
bleibt zurück hinter dem,
was wir mit ganzem Herzen suchen:
die Begegnung mit dem lebendigen Gott,
von Angesicht zu Angesicht,
nicht mehr vermittelt und gebrochen,
nicht mehr hungrig und durstig
in einer "experimentellen Wüste", den Exerzitien!
Gott, du mein Gott, dich suche ich
hinter allen Zeichen und Gleichnissen.

Gottes Initiative bedeutet dann:
ihr könnt mich finden! Ich habe euch gefunden!

Seht euch satt.
Löscht euren Durst!
Darum bin ich geworden, für euch!
In der Krippe,
aus der Jesus herauswächst;
am Kreuz,
von dem sein toter Leib abgenommen wird;
und im leeren Grab,
aus dem er auferweckt wurde:

darin gipfelt unsere Hoffnung,
dass unser Sehnen, unser Durst erfüllt werden,
dass wir "Leben in Fülle" erhalten
beim Gott des Lebens.

Wolf Z. Schmidt S. J.

Jesus stellte sich hin und rief:
Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt.
Wie die Schrift sagt: aus seinem Inneren werden Ströme von
lebendigem Wasser fließen.

Johannesevangelium, Kapitel 7, Verse 37b und 38