Dreifaltigkeitssonntag 2016

gehalten in der Pfarrei Allerheiligen, Nürnberg

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Ein Gott in drei Personen: 2 "Versuche" zum Geheimnis der Dreifaltigkeit

1) Wir könnten sagen:

GOTT VATER

Auf die Frage des Moses antwortet Gott ihm am Sinai:
"Ich bin der ich bin da"
oder: "Ich bin der ich bin" (Exodus 3, 14)
Gott ist überhaupt DA für uns, für mich.

JESUS CHRISTUS, DER SOHN GOTTES

Für wen haltet ihr mich? fragt er die Jünger. (Matthäus 16, 15.16)
Er wird für die, die an ihn glauben, der "Gott ist bei uns",
der "Gott ist mit uns", das "Lebensbrot", unser Bruder, unser Freund.
Jesus wird der barmherzige Samariter, der uns retten will vom Verderben.

GOTTES HEILIGER GEIST

ist das Fluidum, wie Luft, wie Feuer, wie Atem, wie Windhauch, wie Sturmesbrausen.
Mächtig und lebendig und wirkmächtig und lebensnotwendig;
und doch nicht begreifbar, haltbar, festhaltbar.
Der Geist ist das Lebensprinzip des Göttlichen;
er lebt und schenkt das Leben, den Trost, die Vergebung, die Wandlung.

Der 2. Versuch:

Der Schöpfergott, wie ein Horizont, wie ein großer Hintergrund von allem.
Wie die Kulisse im Theater oder die Kulisse eines Filmes. Auf diesem Hintergrund schenkt Gott einem jeden von uns einen ORT, einen Platz.

Denken Sie an das Gemälde von Casper David Friedrich: "Der Mönch und das Meer": welch eine gewaltige Kulisse, Meer und Himmel ---- und davor, vielleicht etwas zu verloren: der Mensch. In diesem gewaltigen All mit den hin- und hersausenden, werdenden und vergehenden Kometen, Planeten und Sonnen: "Was ist der Mensch, das du an ihn denkst?", fragt erstaunt der Psalm 8, 5.

Da gibt uns ein liebender Gott durch seine Liebe (wie ein Horizont, vor dem wir leben) so etwas wie Ansehen (er schaut uns gerne + mit Sympathie an!), Geborgenheit und Beheimatung auf der Erde. Wenn auch nur für einen kosmischen "Augenblick".
Der Sohn - Gott gleich an Würde und Herrlichkeit - gesellt sich zu uns und wird einer von uns. Lebt unser Leben, liebt unser Leben, stirbt unseren Tod.
Er tat Gutes allen, die ihn darum baten.

Nie gab es solch einen Menschen, wie Jesus!
"In ihm hat uns Gott alles geschenkt", sagt Paulus.

Seit 2000 Jahren fasziniert er die Menschheit; sein Leben als Lehrer der Weisheit und als Heiler der Kranken. Wir haben manchmal nichts Besseres zu tun, als im Fernsehen den "Superstar" zu suchen; dabei ist er längst gefunden: JESUS CHRISTUS!

Selbst der Sünder kann doch noch auf Rettung und Vergebung hoffen. Die Großen werden klein und die Kleinen werden groß gemacht.
Menschlichkeit zählt, nicht Gold und Silber; der Reichtum Gottes - und dann auch der Menschen - ist das unendliche Erbarmen. Welch eine großartige Vision von der Menschheit.
Der Sohn Gottes besiegt unseren Tod, als er selbst tot am Kreuz hängt und der Vater ihm voller Liebe das NEUE LEBEN schenkt.

Der Geist, der alle Heiligen bewegt hat, angehaucht hat, fortwährend, damit sie einig und mutig und selbstlos sein konnten. Der Geist Gottes, der auch uns heute, als Gemeinde, als Kirche und auch uns Einzelnen verfügbar ist, wenn wir uns ihm öffnen.
Der immer wieder unverhofft Gestalt annimmt in Gemeinschaften - oder in profetischen Menschen, Frauen und Männern, gebildet oder ungebildet; geweiht oder "getauft und gefirmt".

Als Nebenbemerkung: "das ist nun einmal so, daran kann die Kirche nichts ändern", heißt es gerne.
Oh doch, fragen wir Jesus, der uns allen seinem Geist gab: im Geiste Gottes kann die Kirche sehr wohl Dinge ändern, wenn es dazu hilft, dass die Gemeinden Eucharistie feiern können.

Wir alle leben vom Heiligen Geist und von seiner Kraft.
Selbst in einem Papst kann das Feuer der Liebe Gottes wohnen, leuchten und die Verlorenen wärmen.

Bevor Sie jetzt für sich einen (den dritten!) Versuch machen über die Dreifaltigkeit; eine kleine Zusammenfassung:

Auch wenn wir Gott nicht sehen können,
wir alle leben vor ihm, wie vor einem göttlichen HORIZONT;
wir erinnern uns immer wieder des beispiellosen Lebens
und der Liebe von Jesus Christus -

und in uns brennt das Feuer des Glaubens und der Liebe:
Vater, Sohn und Heiliger Geist; der dreifaltige, eine Gott für uns und uns Menschen. AMEN.

Wolf Schmidt S. J.